1926 Bugatti Typ 35A

14.Aug. 2026

Der Bugatti Type 35A ist einer der bedeutendsten französischen Sportwagen der 1920er-Jahre und die straßentauglichere Variante des legendären Bugatti Type 35 Grand-Prix-Rennwagens.

Ettore Bugatti präsentierte dieses Modell im Mai 1925 für Kunden, die die faszinierende Optik des Grand-Prix-Wagens schätzten, jedoch eine weniger aufwendige und kostengünstigere Ausführung für den Straßeneinsatz und den Amateur-Motorsport suchten.

Aufgrund seiner vereinfachten Technik erhielt der Type 35A den Spitznamen „Tecla“ – benannt nach einem damals bekannten Hersteller hochwertiger Modeschmuck-Imitate.

Technische Besonderheiten

Obwohl der Type 35A äußerlich nahezu dem Type 35 Grand Prix entspricht, wurde seine Technik bewusst vereinfacht:

  • Motor: Saugmotor mit 2,0 Litern Hubraum (1.991 cm³) und Reihenachtzylinder. Statt der aufwendigen Kurbelwelle des Type 35 Grand Prix kommt beim Type 35A eine einfachere Ausführung mit drei Hauptlagern aus dem Bugatti Type 30 zum Einsatz.
  • Leistung: Rund 70 bis 80 PS (statt etwa 90 PS beim Type 35 Grand Prix), ausreichend für eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 145 km/h.
  • Zündung: Anstelle der komplexen Renn-Magnetzündung kam eine herkömmliche Batterie- und Spulenzündung zum Einsatz, wodurch Startverhalten und Alltagstauglichkeit deutlich verbessert wurden.
  • Räder: Während der Type 35 mit seinen revolutionären Aluminium-Gussrädern samt integrierten Bremstrommeln berühmt wurde, war der Type 35A serienmäßig mit klassischen Speichenrädern ausgestattet.

Technische Daten

  • Bauzeit: 1925–1929
  • Motor: 2,0-Liter (1.991 cm³) Reihenachtzylinder, SOHC, 24 Ventile
  • Vergaser: 2 Solex-Vergaser
  • Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe
  • Gewicht: ca. 650–750 kg
  • Historische Bedeutung: Der Type 35A verband Straßentauglichkeit mit Motorsportqualitäten – von ihm wurden lediglich 139 Exemplare gefertigt.

Über das Fahrgestell 4716:

Das Bugatti Type 35A Fahrgestell 4716 wurde im Dezember 1925 im Bugatti-Werk in Molsheim gefertigt. Am 22. Januar 1926 bestellte Bugatti Paris insgesamt acht Type 35A (Fahrgestellnummern 4702 sowie 4713 bis 4719), die am 17. Februar 1926 ausgeliefert wurden.

Jedes Fahrzeug wurde zu einem Preis von 51.000 Französischen Franc fakturiert. Die Historie dieses Exemplars ist von Beginn an lückenlos dokumentiert. Seine erste Zulassung erfolgte in Paris unter dem Kennzeichen 6917 X5.

Bereits im Juni 1929 erwarb Robert Cadet den Wagen und setzte ihn erfolgreich im Motorsport ein. Zu seinen wichtigsten Einsätzen zählen der Grand Prix Automobile de Lyon am 16. Juni 1929 sowie der Grand Prix de la Marne in Reims am 7. Juli 1929 mit der Startnummer 38. In beiden Rennen belegte Cadet einen hervorragenden
6. Gesamtrang. Im März 1932 verkaufte er den Wagen an Eugène Gavillon.

Das Fahrzeug blieb bis 1965 in Frankreich und gelangte anschließend in die Schweiz zu George Filipinetta, dem bekannten Rennstallbesitzer und Gründer eines Automobilmuseums. Nach dessen Tod kehrte der Bugatti nach Frankreich zurück und wurde Teil der renommierten Sammlung von Albert Prost. Dort befand er sich in Gesellschaft außergewöhnlicher Automobile wie eines Bugatti Type 46 Vanvooren, Type 57 Ventoux, Type 57 Atalante, einer Isotta Fraschini 8A sowie mehrerer Ferrari, darunter ein 250 LM und ein 250 Tour de France.

Nach dem Tod von Albert Prost wechselte der Wagen erneut in die Schweiz zu Karel Van de Velde. Ende 2012 beauftragte dieser Tula Engineering in Großbritannien mit einer vollständigen Restaurierung, die 2015 abgeschlossen wurde. Anschließend verblieb das Fahrzeug in England bei Michael Timms.

Im Dezember 2022 erwarb der belgische Sammler Filip Baert den Bugatti. Da ihn die Qualität der vorhandenen Lackierung nicht überzeugte, ließ er den Wagen vollständig entlacken und fachgerecht mit einer klassischen Zelluloselackierung neu lackieren. Darüber hinaus wurde das Fahrzeug, einschließlich einer vollständigen Motorrevision, vom renommierten britischen Spezialisten Gentry technisch umfassend überarbeitet. Sämtliche Arbeiten sind durch Rechnungen in Höhe von insgesamt £178.000 dokumentiert.

Filip Baert besaß zuvor bereits eine Invicta S-Type Low Chassis (Scout) sowie einen Bugatti Type 37A. Einer seiner engsten Freunde riet ihm damals, seine Sammlung um einen Bugatti mit Achtzylindermotor zu ergänzen – ein Rat, der sich als goldrichtig erwies. Der unverwechselbare Klang eines Bugatti-Reihenachtzylinders sorgt für Gänsehaut und vermittelt bei jeder Fahrt ein unvergleichliches Fahrerlebnis.

Bereits 2024 absolvierte Baert mit dem Wagen mehr als 3.500 problemlose Kilometer, darunter erfolgreich die Mille Miglia. Der Traum des heutigen Besitzers, die Mille Miglia einmal in einem Bugatti Type 35 zu bestreiten, erfüllte sich schließlich im Jahr 2026.

Einschätzung renommierter Bugatti-Historiker:

David Sewell:

Von insgesamt 139 gebauten Bugatti Type 35A sind heute lediglich 54 Exemplare bekannt. Nur 35 Fahrzeuge, darunter Fahrgestell 4716, verfügen noch über ihren originalen Motor.

Etwa die Hälfte der erhaltenen Fahrzeuge besitzt zudem den Großteil ihrer ursprünglichen Karosserie. Von diesen sind jedoch lediglich fünf Exemplare, einschließlich dieses Fahrzeugs, bekannt, bei denen die originale Karosserienummer noch in den Karosserieteilen eingeschlagen ist.

Pierre-Yves Laugier:

Meiner Meinung nach gehört Fahrgestell 4716 zu den zehn, wenn nicht sogar zu den fünf ursprünglichsten Bugatti Type 35A überhaupt! 

Unser Fazit:

Für Sammler, die auf der Suche nach einem der authentischsten Bugatti Type 35A weltweit sind, bietet sich hier eine außergewöhnliche und äußerst seltene Gelegenheit.

Haben wir Ihr Interesse an diesem Fahrzeug geweckt?

Dann freuen wir uns auf Ihren Kontakt!